Tristan und Isolde
Oper von Richard Wagner
Decker
und seinem kongenialen Bühnenbildner Wolfgang Gussmann gelingt mit
ihrer Inszenierung die Entgrenzung von Raum und Zeit - das riesige
Ausmaß der Bochumer Jahrhunderthalle erlaubt ein spektakuläres
Regiekonzept: zwei sich frei im Raum ständig bewegende weiße
trapezförmige Platten, die unsichtbar geschwenkt und verschoben werden
bilden unter teilweiser Einbeziehung des Industriehallenambientes die
unbegrenzt scheinende Spielfläche. Mystische Videoeinblendungen
(fettFilm / Momme Hinrichs, Torge Møller) auf einer schwebenden
kugeligen Projektionsfläche erzeugen eine verwirrende optische Dynamik -
die „unendliche Melodie“ Wagners wird durch Wellen und im Wasser
schwebende Körper visualisiert.
Die
reduktiv abstrahierende, fast requisitenfreie Inszenierung erinnert an
die Regiearbeiten Wieland Wagners im Nachkriegsbayreuth. Der
Zen-Buddhist Decker lässt einen an das Land Nirwana erinnernden Ort der
Einsamkeit, der Liebe, des Leidens und der Verklärung entstehen. Die
Menschen auf der Bühne wirken oft verloren, weit von einander entfernt
und doch, wie im Liebesduett des zweiten Aktes sich wieder nah,
scheinbar geborgen in der Unendlichkeit des Weltalls.
Die
bedingungslose, letztlich aber alles zerstörende Liebe des Paares
kulminiert im starken Schlussbild - die Deckenplatte senkt sich auf die
Toten herab, die Szenerie verdunkelt sich und Isolde stimmt, auf einem
schmalen Steg vor dem Orchester stehend, ihren berührenden Schlussgesang
an.
Die
weltweit gefeierte, Bayreuth erfahrene Anja Kampe interpretiert die
Rolle der Isolde mit ihrem nuancierten, klangschönen und kraftvollen
Sopran auch in den Höhen scheinbar mühelos. Grandios! Christian Franz
(Tristan) wirkt streckenweise etwas bemüht - packend jedoch sein großer
Monolog im dritten Akt. Festspielwürdig ist auch die Leistung der
übrigen Solisten: Glutvoll Claudia Mahnke als Brangräne, Stephen Milling
glänzt mit seinem voluminösem Bass als nobler König Marke, der Bariton
Alejandro Marco-Buhrmester überzeugt als Kurwenal.
Kirill
Petrenko, der 2013 den „Ring“ in Bayreuth dirigiert, hat sich die
Duisburger Philharmoniker als Orchester ausdrücklich gewünscht und eine
hervorragende Wahl getroffen. Ruhig, mit langen Generalpausen,
entwickelt Petrenko die Partitur zum Wagnerschen Klangteppich. Das
Orchester folgt seinem Chef hochkonzentriert und musiziert auf höchstem
Niveau - der warme, ausgewogene Klang durchströmt auch in den lyrischen
Passagen die akustisch problematische Bochumer Jahrhunderthalle.
Makellose Bläsersoli runden die überragende Leistung der Duisburger
Philharmoniker ab. Das ChorWerk Ruhr passt sich nahtlos in das
Gesamtensemble ein.
Inszenatorisch und musikalisch setzt die Triennale-Produktion neue Maßstäbe.
Rainer Schwirtzek
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