Freitag, 18. November 2011

Tristan und Isolde

Oper von Richard Wagner




Die Premiere von „Tristan und Isolde“ wurde vom Publikum zum Auftakt der Ruhrtriennale 2011 begeistert gefeiert. Im dritten und letzten Jahr seiner Intendanz gelingt Willy Decker eine Inszenierung von Wagners Musikdrama, die nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Read More


Decker und seinem kongenialen Bühnenbildner Wolfgang Gussmann gelingt mit  ihrer Inszenierung die Entgrenzung von Raum und Zeit - das riesige Ausmaß der Bochumer Jahrhunderthalle erlaubt ein spektakuläres Regiekonzept: zwei sich frei im Raum ständig bewegende weiße trapezförmige Platten, die unsichtbar geschwenkt und verschoben werden bilden unter teilweiser  Einbeziehung des Industriehallenambientes die unbegrenzt scheinende Spielfläche. Mystische Videoeinblendungen (fettFilm / Momme Hinrichs, Torge Møller) auf einer schwebenden kugeligen Projektionsfläche erzeugen eine verwirrende optische Dynamik - die „unendliche Melodie“ Wagners wird durch Wellen und im Wasser schwebende Körper visualisiert.


Die reduktiv abstrahierende, fast requisitenfreie Inszenierung erinnert an die Regiearbeiten Wieland Wagners im Nachkriegsbayreuth. Der Zen-Buddhist Decker lässt einen an das Land Nirwana erinnernden Ort der Einsamkeit, der Liebe, des Leidens und der Verklärung entstehen. Die Menschen auf der Bühne wirken oft verloren, weit von einander entfernt und doch, wie im Liebesduett des zweiten Aktes sich wieder nah, scheinbar geborgen in der Unendlichkeit des Weltalls.


Die bedingungslose, letztlich aber alles zerstörende Liebe des Paares kulminiert im starken Schlussbild - die Deckenplatte senkt sich auf die Toten herab, die Szenerie verdunkelt sich und Isolde stimmt, auf einem schmalen Steg vor dem Orchester stehend, ihren berührenden Schlussgesang an.

Die weltweit gefeierte, Bayreuth erfahrene Anja Kampe interpretiert die Rolle der Isolde mit ihrem nuancierten, klangschönen und kraftvollen Sopran auch in den Höhen scheinbar mühelos. Grandios! Christian Franz (Tristan) wirkt streckenweise etwas bemüht - packend jedoch sein großer Monolog im dritten Akt. Festspielwürdig ist auch die Leistung der übrigen Solisten: Glutvoll Claudia Mahnke als Brangräne, Stephen Milling glänzt mit seinem voluminösem Bass als nobler König Marke, der Bariton Alejandro Marco-Buhrmester überzeugt als Kurwenal.


Kirill Petrenko, der 2013 den „Ring“  in Bayreuth dirigiert,  hat sich die Duisburger Philharmoniker als Orchester ausdrücklich gewünscht und  eine hervorragende Wahl getroffen. Ruhig, mit langen Generalpausen, entwickelt Petrenko die Partitur zum Wagnerschen Klangteppich. Das Orchester folgt seinem Chef hochkonzentriert und musiziert auf höchstem Niveau -  der warme, ausgewogene Klang durchströmt auch in den lyrischen Passagen  die akustisch problematische Bochumer Jahrhunderthalle. Makellose Bläsersoli runden die überragende Leistung der Duisburger Philharmoniker ab. Das ChorWerk Ruhr passt sich nahtlos in das Gesamtensemble ein.

Inszenatorisch und musikalisch setzt die Triennale-Produktion neue Maßstäbe.


Rainer Schwirtzek

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