Spaß pur - mit dem Pedelec vom Main in den Spessart.
Fahrrad mit Elektroantrieb? Der Gedanke ist gewöhnungsbedürftig - auf Reha-Tour durch die Hügellandschaft des Spessart?
Das
mittelalterlich geprägte Städtchen Obernburg mit mehreren gut
erhaltenen Wehrtürmen steht auf den Fundamenten eines römischen
Kastells, ein kleines Museum zeigt Ausgrabungen aus dieser Epoche.
Bei
der Auffahrtsrampe zur Mainbrücke schalte ich den Elektromotor an.
Bereits im „Eco - Modus“ wird die Steigung mühelos bewältigt. Doch nun
wird es wirklich ernst. Über einen geschotterten Wirtschaftsweg geht es
steil hinauf zu den Erlenbachern Rotweinterrassen. Ich schalte auf das
„High-Level“ und zahle sofort den Preis für mein falsches Fahrverhalten.
Mit zu viel Druck auf den Pedalen reagiert das System nicht wie
gewünscht - ich spüre kaum eine Entlastung und das relativ schwere Rad
kostet zusätzliche Kraft. Michael Seiterle erklärt geduldig nochmals das
Prinzip: frühzeitig schalten und mit geringer Trittfrequenz und kleinem
Gang den Berg anfahren.
Oberhalb
der südwestlich ausgerichteten Erlenbacher Steillagen werden wir
bereits von der angehenden Weinbetriebswirtin Verena Waigand und dem
Wengertschütz Erich Becker bei Wasser und jungem Wein erwartet. Frau
Waigand, deren Familie im Nebenerwerb einen 1,6 Hektar großen Betrieb
führt, beschreibt uns die äußert mühevolle Handarbeit in den
terrassierten Steillagen.
Abends,
im „Weingut Stadt Klingenberg“, das von dem noch jungen, aber bereits
weitgereisten Winzer Benedikt Baltes und einem ebenso jungen
chinesischen Partner von der Stadt gekauft wurde, wird deutlich, dass
sich Zukunft der Rotweinregion Main nicht über Höchsterträge sondern
über lagen- und sortenreine Spitzenqualitäten definieren muss.
Am
nächsten Tag geht es mit dem Pedelec vom Main hinauf in den Spessart.
Brigitte Duffeck, die Marketingleiterin der touristischen
Arbeitsgemeinschaft „Mainland Miltenberg - Churfranken“ ist davon
überzeugt, dass die Idee, Radler nicht nur an der Flussroute entlang zu
führen, sondern auch für die Spessart-Hügel zu begeistern, durch ein
dichtes Netz von Pedelec - Verleih und Akkuwechselstationen zahlreiche
Anhänger finden wird. Die 30 Kilometer Strecke zum Wasserschloss
Mespelbrunn macht mit den Rädern der Schweizer Firma Flyer wirklich
Spaß, der Motor schnurrt leise und wir kommen entspannt an dem
Touristenmagneten an. Jetzt, an einem Wochentag Ende September ist es
ruhig - ohne Wartezeit lassen wir uns das Schloss zeigen.
Die
Region vermarktet sich immer noch über „Spessart Räuberland“. Liselotte
Pulver, Carlos Thomson und der Film „Das Wirtshaus im Spessart“ sind
allgegenwärtig. Die attraktive Kultur-und Naturlandschaft hat wirklich
viel mehr zu bieten als alte Räubergeschichten.
Unser
Akku ist nach der Halbetappe noch voll - das Pedelec erwartet jedoch
frische Elektro - Power. Kein Problem, nach wenigen Handgriffen ist das
Aggregat ausgetauscht und weiter geht´s auf dem Weg nach Miltenberg.
Noch ein paar Steigungen und die schnelle Abfahrt bringt uns zum
Tagesziel. Die letzten Strahlen der Abendsonne tauchen den Fluss und den
Ort mit seinen malerischen Fachwerkhäusern und der über der Stadt
thronenden Miltenburg in ein sanftes Licht.
Wir
belohnen uns mit einem gepflegten Bier in der ältesten Fürstenherberge
Deutschlands, dem „Riesen“. Der Diplom - Ingenieur Werner Jöst hat den
Renaissancebau mit enormen finanziellen Mitteln restauriert. Das Haus
beherbergt heute ein Hotel mit liebevoll eingerichteten Zimmern und ein
traditionelles Gasthaus.
Cornelius
Faust, Brauereibesitzer, Biersommelier und Pächter der Riesen -
Gaststätte zelebriert mit geradezu unerschöpflichem Wissen humorig die
Bierkultur des Hauses. Der letzte Höhepunkt seines kreativen Schaffens
ist der holzfassgereifte Eisbock aus dem Jahre 2010. Diese längst
ausverkaufte Rarität hat von der Weinfachzeitschrift „Selektion“ fünf
Sterne bekommen.
Ich
verrate ein kleines Geheimnis: Cornelius Faust hat in seiner
Schatzkammer noch eine Flasche für uns aufgetan. In Kombination mit der
hausgemachten Zartbitterschokoladentarte, die zarteste Versuchung seit
Erfindung des Gerstensaftes!
Ich habe noch eine ganz persönliche Hotelempfehlung: das Flair - Hotel „Hopfengarten“ der Familie Holzinger im Herzen Miltenbergs und trotzdem wunderbar ruhig gelegen.
Übrigens,
nach eineinhalb Tagen Pedelec - Radeln war vom anfangs beschriebenen
„Reha - Image“ keine Spur übrig geblieben. Es hat einfach nur Spaß
gemacht.
Rainer Schwirtzek
Infos:
Region Mainland Miltenberg - Churfranken: www.churfranken.deRegion Mainland - Spessart: www.spessart-touristinfo.de
Verleihstationen für Pedelecs:
- Amorbach: mb-rad-sport, Am Bahnhof 2, Tel. 09373/20 35 55, www.mb-rad-sport.de
- Bürgstadt: ADLER Landhotel, Hauptstr. 30, Tel. 09371/97 880, www.adler-landhotel.de
- Großostheim: E-Bike Cafe, Pflaumheimerstr. 50, Tel. 06026/70 90 400, www.e-bike-cafe.de
- Miltenberg: Flair Hotel Hopfengarten, Ankergasse 16, Tel. 09371/97 370, www.flairhotel-hopfengarten.de
- Mönchberg:Hotel-Restaurant Schmitt, Urbanusstr. 12, Tel. 09374/20 90
- Sulzbach: Fahrrad & Service Pfeiffer, Industriestr. 11, Tel. 06028/12 39 950
Stadt Klingenberg: www.klingenberg-main.de
Stadt Miltenberg: www.stadt-miltenberg.de
Wasserschloss Mespelbrunn: www.schloss-mespelbrunn.de
Weingut Waigand: www.waigand-wein.de
Weingut Stadt Klingenberg: www.weingut-klingenberg.de
Gaststätte Riesen: www.riesen-miltenberg.de
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